Sucht man heutigentags nach einer passenden Arbeitsstelle, so wird einem ins Auge stechen, dass sich viele Unternehmen mit dem Versprechen einer flachen Hierarchie bewerben. Doch was versteht man darunter? Vor allem im rapide wachsenden Segment der Start-ups, die meist als äusserst innovativ und flexibel wahrgenommen werden, sind flache Hierarchien weit verbreitet und haben sich offenbar bewährt. Nur ein kurzlebiger Trend oder vielleicht auch für alteingesessene Unternehmen eine Chance, in einer sich ständig wandelnden Welt zu bestehen?

Was ist eine flache Hierarchie?

Unter dem Begriff „flache Hierarchie“ versteht man vor allem, aber nicht nur, den Wegfall oder das Nichtvorhandensein starrer Strukturen und Einteilung der Belegschaft in ausführende und bestimmende Elemente. Im Gegensatz zur altbewährten „steilen Hierarchie“, in welcher die meisten oder alle Entscheidungen in der obersten Etage getroffen und vom mittleren Management an die Mitarbeiter zur Ausführung weitergeleitet werden, stehen sich hier Chef – so es denn überhaupt einen designierten gibt – und Mitarbeiter auf Augenhöhe gegenüber. Vom Mitarbeiter wird gewünscht und erwartet, dass er sich aktiv in die Gestaltung der Unternehmensführung einbringt und in Eigeninitiative gesteckte Ziele erreicht, wobei sie sich selbstständig, mit passenden Mitgliedern des Kollegiums, in Gruppen verbinden können. Durch den Wegfall des mittleren Managements gehen alle Fortschrittsberichte direkt an den Chef, welcher deshalb schnell informiert wird und flexibel auf Probleme reagieren kann. Gleichzeitig bringt er seinen Angestellten das Vertrauen entgegen, sie in Eigenregie arbeiten zu lassen, ohne sich regelmässig vor einem Gruppen- oder Abteilungsleiter rechtfertigen zu müssen. Das Unternehmen wird nicht mehr in Abteilungen organisiert, sondern die Mitarbeiter verständigen sich untereinander und gegenüber der flachen Spitze auf die bestmögliche Weise, ein von ihnen mitgestecktes Ziel zu erreichen.

Hierarchie und Innovation

Einer Umfrage von StepStone zufolge, welche 14’000 Fach- und Führungskräfte befragte, werden flache Hierarchien als besonders innovationsfördernd empfunden. Laut den Befragten besteht durch die zahlreichen Einbringungsmöglichkeiten, also zum Beispiel Projekte die von Mitarbeitern initiiert wurden, und der Entscheidungsfreiheit, ob und an welchen dieser Projekte mitgearbeitet wird, ein hoher Zufluss neuer Ideen in die betreffenden Unternehmen. Im Gegensatz dazu besteht bei vielen traditionell geführten Unternehmen, in denen Einflussnahme durch Mitarbeiter nicht gefördert oder nicht gewünscht wird, der geringste Zusammenhang zwischen Unternehmensstruktur und Innovationskraft.

Vor- und Nachteile einer flachen Unternehmenshierarchie

Besonders gut geeignet ist die flache Hierarchie für kleine Unternehmen, zu denen Start-ups, ihrer Natur gemäss, meist gehören: Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern, in denen jeder Teil des Managements ist, gelten als flexibel und erfolgreich, denn ein weiterer Vorteil besteht in der kurzen Informationskette. Von ganz unten bis ganz oben umfasst in solchen Unternehmen nur ein Gespräch mit dem Projektleiter oder direkt mit dem Gründer, der dann zusammen mit seinen Mitarbeitern schnell auf die neue Lage reagieren kann, den Kommunikationsfluss. Auch von Vorteil ist diese Struktur für den Zusammenhalt und das Wohlbefinden der Angestellten: Start-ups sind auch deshalb beliebte Arbeitgeber, weil durch die flache Hierarchie eine vertrauliche Atmosphäre gefördert wird, in der man mit dem Chef per “du” ist und er somit auch als Teil der Belegschaft wahrgenommen wird, statt als abgehobener Anführer. Ausserdem kann der Führungsebene so einiges an administrativer Arbeit abgenommen werden, da viel weniger Zeit mit Delegation und Organisation verbracht wird. Bei allen Vorteilen hat diese Arbeitsweise natürlich auch einige Nachteile. Durch die relative Nähe zum oberen Podest kann sich das Gefühl einstellen, keine Karriereleiter zu erklimmen. Beförderungen gestalten sich schwierig, da keine höheren Positionen zu besetzen sind. Viele Angestellte wünschen sich, sichtbare Sprossen zu erklimmen, was sich in einer flachen Hierarchie schwierig gestaltet. Somit machen sie sich teilweise anfällig für Abwerbung durch traditionell organisierte Unternehmen, welche verschiedene prestigeträchtige Führungspositionen anbieten können. Und auch wenn die kurzen Kommunikationswege durchaus von Vorteil sind, muss man sich bewusst sein, dass vor allem am Anfang einer Umstellung mit Unsicherheit und Verwirrung zu rechnen ist. Anfänglich herrscht da darüber Unklarheit, an wen man sich zu wenden hat.

Abschliessend lässt sich dieser Trend wohl kaum stoppen. Er verspricht Innovation und zeigt, was globale Unternehmen von Start-ups lernen können. Auch wenn diese Struktur vor allem für kleinere Unternehmen einfacher einzuführen ist, zeigen erfolgreiche Start-ups, die über sich selbst hinaus gewachsen sind, dass Flexibilität, kurze Informationswege und Vertrauen in die Angestellten lohnenswerte Vorteile gegenüber den klassischen Modellen aufweisen.

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