Dem einen oder anderen mag es in den letzten Tagen kaum entgangen sein: Insbesondere Instagram und Facebook wirken von einem regelrechten Exodus seiner bislang treuen User betroffen zu sein. Gerade Influencer scheinen für einen Umstieg auf Vero zu werben. Was dran ist, und ob das neue Netzwerk tatsächlich das Zeug hat, die Social Media Giganten in die Schranken zu verweisen, bleibt abzuwarten.

Die Riesen kommen ins Stolpern

Obwohl das Social Media Netzwerk, welches sich nach dem lateinischen Wort für »Wahrheit« nennt, bereits seit 2015 seine Pforten für User geöffnet hat, scheint der Hype doch erst in jüngster Zeit so richtig an Fahrt bekommen zu haben. Gerüchte werden laut, dass Vero Instagram ablösen könnte. Wie der Anbieter auf seiner Homepage bekannt gibt, ist die Schwelle von einer Million Nutzern bereits geknackt. Von einer »Welle an neuen Nutzern« ist dort die Rede.
Die Forderungen nach einer weltweit werbefreien Kontaktaufnahme und Vernetzung wurden in den letzten Jahren immer zahlreicher. Zunehmend reagierten die Nutzer genervt von den massenhaften Werbeeinblendungen und einem irreführenden Algorithmus. Hinzu kommen die seit langem bekannten Phänomene der Fake News, Hassrede und Hetzerei, denen Facebook und Co. scheinbar noch keine adäquate Medizin entgegenzusetzen haben. Von »Social« jedenfalls scheint auf der Social Media Plattform Facebook nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Erst in einer jüngst veröffentlichten Studie konnten US-amerikanische Marktforscher von eMarketer feststellen: Facebook laufen die Nutzer davon. Im vergangenen Jahr soll der Netzwerk-Gigant 2,8 Millionen User unter 25 Jahren verloren haben (Stand: März 2018) – verloren an Snapchat. Für das Jahr 2018 prognostizierten sie einen weiteren Schwund von weiteren 2,1 Millionen Nutzern in den Altersgruppen bis zu 25 Jahren – fatal, angesichts dessen, dass ein Konzern wie Facebook gerade von dieser Zielgruppe am Leben gehalten wird.

Vero – ein Erneuerer?

Vero scheint seine Nutzer genau dort abzuholen, wo Facebook und Co. in den letzten Jahren versagten. »Weniger Social Media mehr Social Life« gibt der Anbieter als Credo seines Netzwerkes heraus. Gleichermassen verspricht das Netzwerk grössere Transparenz bei der Gretchenfrage der Privatsphären-Einstellungen. Damit stösst Vero in eine Nische, die den herkömmlichen Social Media Betreibern in den letzten Jahren so abhanden gekommen ist: Nutzer fühlten sich von der Allmacht eines undurchsichtigen Algorithmus bevormundet und hegten allzu oft den Verdacht, Posts würden nicht mehr jene Reichweite erhalten, die sie einstmals hatten. Der Neuling unter den Social Media Plattformen verspricht, alles anders zu machen. Als ein Hybrid aus den bekannten Elementen Facebooks, Instagrams oder des einstmaligen Riesens MySpace, verspricht das Netzwerk den Usern in seinem Manifest:
Mehr Authentizität, mehr Wahrheit, mehr Real-Life.

Gerade in den vergangenen Tagen soll das Social Media Netzwerk jedoch mit zahlreichen Schwierigkeiten gekämpft haben. Angesichts der Masse an Neuzugängen sei es zu Ausfällen gekommen: Nutzer konnten sich nicht anmelden oder die gewünschten Posts absetzen. Kinderkrankheiten, mag der eine oder andere meinen. Doch ist auch bekannt: Der umkämpfte Markt um Günstlinge des Social Media Angebots verzeiht nur wenig Schwierigkeiten.
Hinzu kommt, dass das Netzwerk vorgibt werbefrei zu bleiben. Ob sich das Geschäftsmodell, dass sich aus den Kooperationen mit Medien-Konzernen und einem bislang irreführenden Abo-Modell finanzieren will, tatsächlich Erfolg verspricht, bleibt kritisch zur Disposition zu stellen. Die ersten Millionen Nutzer sollen laut Firmenangaben noch die Möglichkeit haben, das Netzwerk kostenlos nutzen zu dürfen. Für die Nachfolgenden soll eine noch nicht näher umrissene Jahresgebühr fällig werden. Die Zeit wird wohl zeigen müssen, ob künftige Nutzer angesichts einer Jahresgebühr auch willens sind, sich der von Vero ausgegebenen Revolution der Social Media Welt anzuschliessen.

Wir von BeeBase beobachten diesen Trend und informieren euch, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.